Die Arbeitsgruppe „Leben“ des Stadtmarketingverein Winterberg e.V. hatte geladen und annähernd 50 interessierte Vertreter/innen sozialer Gruppen und Institutionen folgten der Einladung zur 8. Winterberger Sozialkonferenz, die am Dienstag, 22. November 2011 in der sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft „Haus Nordhang“, Am Hagenblech 53, Winterberg abgehalten wurde.
Nach der Begrüßung durch Gisela Riedel, Sprecherin des Arbeitskreises „Leben“, richtete Winfried Borgmann im Namen des Stadtmarketingvereins, auch im Namen des anwesenden Bürgermeisters Werner Eickler, ein kurzes Grußwort an die Teilnehmer. Er stellte fest, dass die Sozialkonferenz zu einer festen Einrichtung geworden sei, die sich im Jahreskalender etabliert habe und dankte besonders Frau Riedel für ihre ehrenamtliche Arbeit in der Arbeitsgruppe Leben. Der Aufbau eines stabilen Netzwerkes bestehend aus den im sozialen Bereich tätigen und engagierten Einrichtungen und Institutionen, stellt die Kernaufgabe der Sozialkonferenz dar. Die Sozialkonferenz sei eine gute und wichtige Austauschplattform für ehrenamtlich Engagierte und hauptamtlich Beschäftigte.
Nach der Vorstellung der Konferenzteilnehmer (u.a. Ärzte, Kindergärten, Schulen, Kirche, Caritas, Selbsthilfegruppen, Hochsauerlandkreis, Stadt, Bürgerhilfe, VdK und Krankenhaus) folgten Informationen über die Wohngemeinschaft „Haus Nordhang“, durch den Einrichtungsleiter Harald Koch. Im Juni 2011 wurde am Winterberger Bahnhof der Neubau des „Haus Nordhang“ bezogen. Hier finden 24 chronisch mehrfach beeinträchtigte Abhängigkeitskranke ein Zuhause. Vier Wohngruppen ermöglichen eine gemeinschaftsbezogene Struktur und ein gutes Zusammenleben. Die Bewohner werden von 16 Mitarbeitern betreut, mit denen sie gemeinsam den Kreislauf einer Suchterkrankung durchbrechen und überwinden wollen. Mögliche Wechsel vom stationären Wohnen zu einer selbständigeren ambulanten Wohnform werden trainiert und gefördert. Im Rahmen der Arbeitstherapie organisieren und unterstützen einige Bewohner den Warenkorb in Winterberg.
Im Anschluss stand der Vortrag des AIDS-Koordinators und -Beraters des Gesundheitsamtes des Hochsauerlandkreises, Johannes Kleine auf der Tagesordnung. Er stellte zunächst die veränderten Bedingungen der AIDS-Prävention vor 25 Jahren und heute dar. AIDS ist nicht mehr eine unbekannte Bedrohung mit absehbarem tödlichem Ausgang. Vor allem dem medizinischen Fortschritt ist es zu verdanken, dass die infizierten Menschen durch medikamentöse Behandlung eine höhere Lebenserwartung haben können. Vor dem Hintergrund auch rechtlicher Veränderungen wurden im Hochsauerlandkreis vor 4 Jahren die Aufgaben zu HIV/AIDS und den anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) zu der Fachstelle „Sexuelle Gesundheit“ zusammengeführt.
Diese hat das Ziel, die sexuelle Gesundheit von Menschen zu fördern und zu schützen. Somit stehen die Angebote allen Bürgerinnen und Bürgern offen. Auch wenn das Gesundheitsamt Teil einer Behörde ist, garantiert die Fachstelle grundsätzlich Anonymität, Vertraulichkeit und Unvoreingenommenheit in ihrer individuellen Arbeit (Beratung, Untersuchung, Testung). Alle Mitarbeiter der Fachstelle unterliegen der Schweigepflicht. So können sich z.B. Betroffene sowie ihnen nahestehenden Personen zu Fragen sexueller Lebensweisen und Orientierung an die Beratungsstelle wenden. Auch HIV-Infizierte oder AIDS-Kranke erhalten Beratung und Unterstützung. Dies gilt auch für ihnen nahestehende Menschen.
Die Präventionsarbeit ist die zweite Säule der Arbeit der Fachstelle. Sie bietet z.B. Schulen, Vereinen oder Ausbildungsträgern Präventionsveranstaltungen, Zusammenarbeit oder gemeinsame Projekte rund um die Themen der sexuellen Gesundheit an. Hierbei wird Wert darauf gelegt, dass sich Inhalt und Form der Veranstaltungen am Bedarf der anfragenden Stellen ausrichten. Vor dem Hintergrund auch der Anliegen der Sozialkonferenz trug der Referent zudem sein Angebot einer Mitarbeit im Rahmen einer Kooperation und/oder Vernetzung mit den Winterberger Akteuren vor. Dem informativen Vortrag schloss sich eine rege Diskussion mit zahlreichen Fragen der Besucher an.
Zum Abschluss der Sozialkonferenz berichtete Verena Susewind, als verantwortliche Ansprechpartnerin der Stadtverwaltung, über die Auswirkungen des demographischen Wandels in der Stadt Winterberg. Die Stadt Winterberg habe diese große Herausforderung bereits angenommen. Seit 2008 werden Lösungsansätze entwickelt. Die demographischen Auswirkungen werden bei den anstehenden Entscheidungen in allen Bereichen berücksichtigt, denn der demographische Wandel ist ein allumfassendes Thema und muss in sämtliche Entscheidungen einer Stadt mit eingebunden werden.
Die Stadt Winterberg hat fünf Arbeitskreise gebildet (Arbeit, Infrastruktur, Bildung, Engagement, Jugend u. Initiative 60+). In diesen sollen Ideen und Projekte entwickelt werden, um die Stadt und die Dörfer langfristig so zu gestalten, dass auch in Zukunft ein lebenswertes Wohnen, Arbeiten und Altwerden gewährleistet ist. Erste Ideen sind z.B. ein Ausbildungskompass, die Bildungsangebote in der Stadt sollen transparenter werden, ein Projekt „Generationenfreundliche Einkaufswelt Winterberg“, der Ausbau einer „Senioren-Akademie“ u.a. für PC- und Internetschulung. Es bedarf der Unterstützung von allen Seiten und „auf viele Schultern verteilt“, um diese Mammutaufgabe zu bewältigen. Frau Susewind richtete einen Appell an die Teilnehmer der Sozialkonferenz, sich in die Arbeit der Arbeitskreise einzubringen und mitzumachen.
Dass dieses große Thema Demografie ein höchst aktuelles und herausforderndes Thema ist, zeigten die vielen Wortbeiträge und Diskussionen zu diesem Vortrag. Bürgermeister Werner Eickler untermauerte die Brisanz, die der demografische Wandel mit sich bringe. „Wir müssen in vielen Bereichen radikal umdenken und anders handeln. Der demografische Wandel ist eine große Herausforderung und bietet uns, wenn wir uns alle aktiv beteiligen, auch Chancen“, so der Bürgermeister. Mit dem herzlichen Dank von Frau Riedel an die Referenten und den Gastgeber endete nach 2 1/2 Stunden die erfolgreiche 8. Winterberger Sozialkonferenz.

